White Power Barbies

von Roland Spranger
Besetzung: Gerrit Pleuger, Alexandra Hespe, Alice Janeczek
Regie: Christos Nicopoulos

Foto: Horizont (1)/ Jan Niklas Berg (21)

Rechtsradikale gewinnen im Internet immer mehr Zuspruch, nicht nur die Politiker*innen der AfD, sondern auch vom NSU inspirierte medienaffine, subversiv-kriminelle Gruppierungen. Dieses Stück handelt von rechtsextremen Frauen und macht auf bedrückende Art deutlich, wie rechtsextremistisches und rassistisches Gedankengut unabhängig von Geschlecht, Alter oder sonstigen Merkmalen versucht in unserer Gesellschaft wieder Wurzeln zu schlagen.

Kritik

Kölner Kultur | Dienstag, 21. Juni 2022

Ein „Like“ für rechtes Gedankengut

„White Power Barbies“ im Horizont Theater

VON DANIELA ABELS

„Warum eigentlich Barbies?“, beschwert sich eine der beiden jungen Frauen, „Die mochte ich noch nie.“ „Ja“, gibt die andere zu bedenken, „Aber „weiße Kraftpuppen“ klingt einfach nicht so gut.“ „White Power Barbies“ aus der Feder von Roland Spranger befasst sich mit einem seit Jahren stetig wachsenden Phänomen: junge, gebildete, eloquente Frauen, die die Macht der sozialen Medien nutzen, um für rechtes Gedankengut zu werben. Gerade feierte das Stück am Horizont Theater Premiere, wo es auch in der kommenden Spielzeit auf dem Programm stehen wird. Die kleine Bühne in der Kölner Innenstadt ist die zweite, die das Stück überhaupt zeigt. Erst im Februar dieses Jahres wurde es in Hof, der Heimat des Autors, uraufgeführt. Die Kölner Inszenierung ist eine Hausproduktion unter der Regie von Theaterleiter Christos Nicopoulos. In dem Drei-Personen-Stück tritt neben den beiden jungen Influencerinnen Laura (Alice Janeczek) und Melina (Alexandra Hespe) auch die Bundestagsabgeordnete Sandra Engelbrecht (Gerrit Pleuger) auf. Das Thema von „White Power Barbies“ ist alles andere als lustig. Text und Inszenierung zeigen aber, dass ein gewisses Maß an Humor gerade solche Inhalte nach vorne bringen kann. So wird etwa die eigentlich durch und durch unsympathische Engelbrecht so überspitzt dargestellt, dass es schon wieder komisch ist: In ihrer Alltagssprache benutzt sie hoffnungslos überalterte Begriffe wie „Duttengretel“ oder „schwatzsüchtig“ und redet ihre Referentin Laura mit „Fräulein“ an. Gleichzeitig ordert sie Sushi beim Lieferdienst– Trinkgeld gibt es aber nur, wenn der Fahrer deutsch aussieht. Roland Spranger ist übrigens auch ein erfolgreicher Krimiautor, der 2013 sogar mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Das merkt man auch „White Power Barbies“ an. Nicht nur anhand der äußerst dynamischen Dialoge zwischen den Influencerinnen Laura und Melina (Mantra: „liken, liken, abonnieren“), sondern auch an der Handlung, die zum Ende hin mit immer neuen Wendungen aufwartet. Das Stück wird im Abendprogramm gespielt, soll aber auch Jugendliche ab 16 Jahren ansprechen. Anfragen interessierter Schulen, so Nicopoulos, seien jederzeit willkommen.