Träumen Physiker von kybernetischen Schmetterlingen?

Lesung
Die Science-Fiction-Werkausgabe des Autors Herbert W. Franke, präsentiert vom Schauspieler und Grafiker Thomas Franke

Foto: Thomas Franke

Um es gleich eingangs vorweg mitzuteilen: Herbert W. Franke und Thomas Franke sind nicht miteinander verwandt, aber seit dem Jahr 1976 befreundet. Und mit Frank Schätzings Bestseller-Thriller „Die Tyrannei des Schmetterlings“ hat der Abend nichts zu tun. Seit einigen Jahren brandet nicht nur über Deutschland in medialen Wellen immer wieder die Diskussion hinweg, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf unser Leben haben wird und welche positiven sowie - allerdings noch konträrer diskutiert - welche negativen Wirkungen sie für die Menschen mit sich bringt: Überwachung und Manipulation der Menschen entziehen sich der Kontrolle, Menschen werden anhand von Algorithmen bewertet und damit zum abstrakten Objekt, das Leben zunehmend entindividualisiert und die Menschen damit pauschaliert. Solchen Themen wenden sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller während der letzten Jahren immer öfter zu, aber bereits 1960 - viele Jahre vor der Digitalisierung diverser Lebensbereiche unserer Welt - schrieb der österreichische Schriftsteller Herbert W. Franke (*1927 in Wien) über virtuelle Welten, Vorgänge und Personen, die gesichtslos bleiben und wie Avatare aus Computerspielen nur über vage Charaktere verfügen.

Der Physiker, Psychologe, Höhlen- und Zukunftsforscher Herbert W. Franke gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Science-Fiction-Schriftsteller. Seine Science-Fiction-Erzählungen und -Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Im Gegensatz zu Schätzing weiß Franke, worüber er schreibt, denn 1950 promovierte er zum Doktor der theoretischen Physik. Von 1973 bis 1997 lehrte er zudem Kybernetische Ästhetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Um diesen Großmeister des literarischen Genres, der 1980 zum Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland gewählt wurde, gebührend zu ehren, begannen Dr. Hans Esselborn und Ulrich Blode mit der Edition einer im Verlag „p.machinery“ angelegten, über mehrere Jahre erscheinenden wohlfeilen Gesamtausgabe des Science-Fiction-Werkes dieses erstaunlich vielseitigen und fleißig nicht nur Science-Fiction schreibenden, überhaupt vor Kreativität sprudelnden Wissenschaftlers Herbert W. Franke.

Seit 2014 erscheint diese dreißigbändige aktualisierte Science-Fiction-Werkausgabe, gestaltet mit Titelmotiven, großformatigen Grafiken, alten und neuen Illustrationen des mehrfach ausgezeichneten Bonner Grafikers Thomas Franke, der bekanntlich auch Schauspieler ist und als solcher im Horizont-Theater in mehreren Stücken auftritt. Er liest aus den bisher in der Werkausgabe erschienenen Büchern seines Namensvetters, präsentiert einige der zur Buchreihe geschaffenen Original-Holzstichcollagen und erzählt nebenbei Anekdoten darüber, wie sich zwei eigenwillige Lebensläufe kreuzten.

Termine

Sonntag, 19. Januar 2020 um 19.00 Uhr
Sonntag, 09. Februar 2020 um 19.00 Uhr