Tatort Helsingör: Der Fall Hamlet

Veranstalter: heinkultur
von Volker Hein nach Shakespeare
Mit Volker Hein und Sunga Weineck. | Regie: Volker Hein

Foto: Robert Hennes

Sherlock Holmes rollt einen alten Mordfall neu auf: Tatort ist Helsingör in Dänemark, und der hat einige Spuren zu bieten. Und so rekonstruiert der Detektiv gemeinsam mit dem Publikum den Fall Hamlet. Wer? hat wen? und warum? ermordet?

Die tragische Geschichte wird wieder lebendig.
Doch diesmal gibt es viele Zeugen: die Zuschauer und natürlich Dr. Watson, der seinen Freund Holmes bei der Aufklärung unterstützt. Hamlet als raffiniertes Krimitheater nach Motiven des berühmten Dramas von William Shakespeare.

Kritik

Das war die vorerst letzte Premiere in Köln
„Tatort Helsingör – der Fall Hamlet“ im Horizont-Theater
Von Barbro Schuchart

Sein oder nicht sein – das war für Volker Hein und Sunga Weineck keine Frage. Ihre Aufführung „Tatort Helsingör – der Fall Hamlet“ ging über die Bühne des Horizont-Theaters, auch wenn Corona den Besuch von Schülergruppen bis auf weiteres vereitelt.

So bestand das Premierenpublikum der Produktion von Hein-Kultur aus ganzen sechs Zuschauern (die Rezensentin inclusive), sie sich an dieser amüsanten Variante des Shakespeare-Dramas erfreuen konnten.

Sherlock Holmes (Volker Hein) begibt sich mit seinem Assistenten Dr. Watson (Sunga Weineck – urkomisch im gestreiften Pyjama) – auf Spurensuche in diesem jahrhundertealten „Kriminalfall“, dem sie gesamte königliche Familie von Dänemark zum Opfer fiel.

Fragen über Fragen

Warum heiratete Hamlets Mutter einen Monat nach dem Tod ihres Gatten dessen Bruder Claudius? Warum starb dieser durch Hamlets Hand? Wer hat die Spitze des Floretts vergiftet? Und warum sind am Ende dieser dynastischen Tragödie alle tot?

Die beiden Protagonisten rollen den „Fall Hamlet“ auf wie einen spannenden TV-Krimi – mit vielen Theorien über die Motive, dramatischen Fechtszenen, aber auch komödiantischen Elementen. Originale Textstellen – Hein rezitiert den berühmten Monolog „Sein oder nicht sein“ hinter der Fotogalerie des Shakespeare-Personals – verschmelzen elegant mit zeitgemäßer Diktion, die auch das angepeilte jugendliche Publikum 8ab zwölf Jahre) ansprechen dürfte.

Ja, wenn es denn käme. Sechs Vorstellungen standen noch für den März und April auf dem Programm, die meisten waren schon für Schulen gut gebucht. Diese Gruppen sind nun weggebrochen – für das kleine Theater eine Katastrophe. Seit Sonntag ist auch hier erst mal der Vorhang gefallen. Aber man sollte sich für bessere Zeiten schon mal den Besuch dieser unterhaltsamen, geistvollen Theaterstunde vormerken.
Rundschau vom 17.3.2020