Beuchleins bittere Beichte

Von: Peter Brandt
Regie: Martin Schnick
Co-Regisseurin: Laura Kuntschke
Mit: Thomas Franke

Foto: Thomas Dreier

Tiefes Mittelalter. Balduin Beuchlein ist Uhrenbauer im Berufe, weswegen ihn die Oberen einer Stadt engagieren, um ihre Turmuhr zu reparieren, die seit fünfzig Jahren nicht mehr läuft. Angeblich liegt ein Fluch auf ihr, seit von den schönen Aposteln und Figuren, von denen stündlich einer aus der Tür unter der Uhr erscheint, der Tod herabstürzte und den Bischof während des Segnens zu Allerheiligen auf dem Platz vor der Kirche erschlug. Jetzt aber sagte sich gegenwärtige Bischof zu einem Besuch der Stadt an, weswegen Uhr und Laufwerk des Sensenmannes nun, fünfzig Jahre später, in Ordnung gebracht werden sollen. Während Beuchlein sich daran zu schaffen macht, entwickelt er eine Beziehung zu dieser Figur, meint schließlich, den Gevatter wahrhaftig vor sich zu haben, und während er ihm sein Leben beichtet, das Leben eines Säufers, Mordbuben und Betrügers, versucht er, diesem wenigstens noch fünfzig Jahre Leben abzuhandeln. Schließlich habe er ihn zum Freund und ihm während der vergangenen Jahre so manche Seele zugeführt, - so Beuchleins Begründung. Als er einen Metzger bestehlen will, wird Beuchlein von dessen Rottweiler gebissen – und weitere Probleme stellen sich ein…

Derb, tiefschwarz humorig, abgründig, eine bizarre Danse macabre, unverschämt gewürzt mit Bockbier und Bühnenblut, – Thomas Franke entführt den Zuschauer als Balduin Beuchlein mitten hinein in den Alltag einer faszinierenden Epoche. Und er spielt den Balduin Beuchlein unter der Regie von Martin Schnick, mit dem er schon den von Martin Rubin verfassten Theatertext „Störwerk – ein Monolog für einen Shakespearekönig unter einer Nebenwirkung“, „Ein junger Mann in Eile“ von Eugene Labiche, „Professor Przeprzyborschtschuschkr oder Zahlen lügen nicht“ und andere Stücke für verschiedene Theater Deutschlands produzierte.

Der Autor Peter Brandt arbeitete viele Jahre als Kameramann und Produzent unter anderem für die „Sendung mit der Maus“ und für die Kindersendung „Philipp“, schrieb Treatments für die Jugendserie „Schloß Einstein“, Sachbücher und Romane. Seit mehreren Jahren entwirft er die Geschichten für den Internetcomic „Hanisauland“ der Bundeszentrale für politische Bildung, in dem auf witzige Weise Kindern erzählt wird, wie Politik funktioniert. Mit „Beuchleins bittere Beichte“ schrieb er sein erstes Theaterstück – einen Monolog speziell für Thomas Franke, nachdem dieser ihn während der Verfilmung eines anderen Monologs zutiefst beeindruckt hatte.

Termine 2019

Premiere: 25. Januar 2019, um 20.00 Uhr

Weitere Aufführungen:
26. Januar 2019 um 20 Uhr
15. Februar 2019 um 20.00 Uhr


Kritiken

Kölnische Rundschau
vom Donnerstag, 14. Februar 2019 / Kölner Kultur

Kein Pardon vom Tod

„Beuchleins bittere Beichte“ mit Thomas Franke im Horizont-Theater von Barbro Schuchardt

Ein Skelett als einziger Partner für ein ganzes Theaterstück? Thomas Franke plagen da keine Berührungsängste. Schließlich ist der Balduin Beuchlein, den er im Horizont-Theater so famos verkörpert, ein übler alter Haudegen und Mordbube. 17 Menschen hat der Uhrmacher auf dem Gewissen – wobei man von Gewissen gar nicht sprechen kann. Denn der verschlagene Branntweinsäufer fühlt sich als Zulieferer vom Gevatter Tod, dem er für seine „Hilfsdienste“ 50 Jahre weiteres Leben abhandeln will … Den Monolog „Beuchleins bittere Beichte“ (Untertitel „Schelmenstück mit Sensenmann“) hat Peter Brandt, eigentlich Kameramann und Produzent, dem Kölner Schauspieler und Grafiker Thomas Franke auf den kräftigen Leib geschrieben. Dass er ein begnadeter Komödiant ist, bewies er zuletzt als Zeus in „Dido und Aeneas“.
Jetzt kann er unter der Regie von Martin Schnick mit seinem Mittelalter-Schauerstück wieder so richtig in die Vollen gehen. Sein Balduin Beuchlein ist ein mal randalierendes, mal larmoyantes Großmaul mit derber Sprache. Doch bei der Reparatur der vor 50 Jahren stehen gebliebenen Kirchturmuhr überfällt ihn Todesangst. War es doch ausgerechnet die Figur des Todes, die damals aus der Uhr heraus gefallen war und den Bischof erschlagen hatte. Ein Zeichen? Ein Fluch? Thomas Franke kostet alle Facetten dieses burlesken Totentanzes aus. Er versucht, für die Lebensverlängerung den Gevatter mit der Kutte eines ermordeten Mönchs zu bestechen, dient sich als Gehilfe mit Pistole an („viel besser als deine Sense“), jammert über einen Hundebiss und trinkt sein eigenes Blut, um den Branntwein darin nicht zu vergeuden.
Natürlich gibt der Sensenmann kein Pardon. Beuchlein aber kommt ihm zuvor und stürzt sich vom Glockenturm in die Tiefe. Starker Premieren-Beifall für einen starken Schauspieler.