An allem sind die Juden schuld!
Heute anders als vor 100 Jahren?

Veranstalter: Theater- und Musikverein e.V.
Eine szenische Collage mit Musik und Gesang im Rahmen des Festjahres 2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Künstlerische Leitung und Regie: Sophie Brüss
Es spielen: Gerrit Pleuger, Sophie Brüss und Christian Zell
Musikalische Leitung: Axel Weggen

Das Festjahr 2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland
Am 11. Dezember 321 erlässt der römische Kaiser Konstantin ein Edikt (Gesetz). Es legt fest, dass Juden städtische Ämter in der Kurie, der Stadtverwaltung Kölns, bekleiden dürfen und sollen. Dieses Edikt belegt eindeutig, dass jüdische Gemeinden bereits seit der Spätantike wichtiger integrativer Bestandteil der europäischen Kultur sind. Eine frühmittelalterliche Handschrift dieses Dokuments befindet sich heute im Vatikan und ist Zeugnis der mehr als 1700 Jahre alten jüdischen Geschichte in Deutschland und Europa. Aus diesem bedeutenden Anlass haben sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und wichtige Institutionen zusammengeschlossen, um dieses Ereignis unter der Leitung eines eigens gegründeten Vereins und der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten zu begehen

Unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland werden bundesweit rund tausend Veranstal- tungen ausgerichtet. Ziel des Festjahres ist es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarken- den Antisemitismus etwas entgegenzusetzen.

Das Projekt
„An allem sind die Juden schuld, heute anders als vor 100 Jahren“, angelehnt an das Chanson von Friedrich Holländer, ist eine literarische Collage aus Lyrik, Prosa und Chansons aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und heute. 2021 hat der Antisemitismus ein Ausmaß erreicht, den wir uns nie hätten vorstellen können. Trauriger Höhepunkt ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle gewesen. Antisemitische Verschwörungsmythen sind ebenso an der Tagesordnung wie Dämonisierung und Delegitimierung Israels. „An allem sind die Juden schuld - heute anders als vor 100 Jahren“ stellt Texte, Chansons und Lyrik von jüdischen Autor- *innen, Publizist*innen, Musiker*innen und Lyrik- *innen der Gegenwart und der Vergangenheit, die sich mit dem Antisemitismus und seinen Folgen auf die Menschen und die Gesellschaft befassen. Mal ernst, mal komödiantisch, mal sarkastisch oder nachdenklich und immer poetisch, musikalisch untermalt oder illustriert reflektiert unsere Collage die Auseinandersetzung der Menschen damals und heute mit den Ereignissen um sie herum und macht auf den Zwiespalt vieler Juden aufmerksam, die zwischen Koffer packen und dem Glauben, dass es Antisemitismus in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr geben darf, stehen. „An allem sind die Juden schuld - heute anders als vor 100 Jahren?“ ist ein bitter-süßer Abend, der, neben dem regulären Theaterpublikum, auch junge Menschen in Schulen und Bildungseinrichtungen erreicht.

Im Anschluss an die Aufführungen findet eine Publikumsdiskussion mit dem Ensemble und ggf. Gästen statt, um Fragen zur Produktion und zu den ausgesuchten Texten und den sich darin spiegelnden jüdischen Perspektiven zu beantworten.

Das Ensemble
Sophie Brüss ist Theaterpädagogin und Regisseurin. Im Bereich Theater arbeitet seit 1999 freischaffend in zahlreichen Theaterproduktionen in Köln und Bonn. Sie führte Regie u.a. in „Liebe in dunklen Zeiten“ von Joshua Sobol, „An der Arche um acht" von Ulrich Hub sowie „Im Land der tausend Farben“ und veranstaltet musikalische Lesungen rund um das Thema Judentum und Antisemitismus. Als Theaterpädagogin spezialisierte sie sich in den Bereichen der Förderung der Mehrsprachigkeit und der politischen Bildung. Seit 2017 ist arbeitet Sophie Brüss bei SABRA, der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit - Beratung bei Rassimus und Antisemitismus in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Dort berät sie Betroffene von Antisemitismus und Rassimus, führt Multiplikatorenfortbildungen und veranstaltet Fachtage zum Thema Antisemitismus.

Gerrit Pleuger wurde 1973 in New York geboren. Nach mehrjährigem Aufenthalt in USA und Indien absolvierte sie nach dem Abitur in Deutschland eine Ausbildung als Industriekauffrau. Von 1998 bis 2000 studierte sie in Hamburg am "Bühnenstudio der Darstellenden Künste" bei Doris Kirchner. Ihre Dozenten waren u.a. Ilse Werner und Frank Lorenz Engel. Eine 4- jährige Ausbildung in Gesang bei Susan Ertel in Hamburg führte sie auch als Solistin zu erfolgreichen Bühnenauftritten des Ensembles "Voices & Songs". Zeitgleich gab es Theater- und Gesangstourneen, Film- und Fernsehproduktionen und Gastengagements in Hamburg, München und Mayen. Von 2003-2012 war Gerrit Pleuger Mitglied im festen Ensemble beim Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel. Sie wirkte in zahlreichen Musical- und Theaterproduktionen mit. Seit 2013 lebt sie in Köln und spielt freischaffend in zahlreichen Produktionen.

Axel Weggen ist Leiter des Düsseldorfer Synagogenchors. Nach seinem Studium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf widmet er sich der synagogalen Musik. Er gründete und leitet das Lewandowski-Ensemble für synagogale Musik und tritt mit diesem bundesweit auf bei Synagogeneinweihungen, Konzerten, Gedenkveranstaltungen (u.a. St. Michaelis Hamburg), Feierstunden (teilweise vom Fernsehen übertragen) u.a.m. Hinzu treten Engagements als Begleiter von Sängern aus dem Bereich Oper, Operette, Musical, Chanson, Kabarett sowie Kantoren mit synagogaler Musik, ferner Einstudierungen musikalischer Produktionen (u.a. Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf) sowie auch Vertonungen und Autor von Chansontexten. Er ist Co-Autor der DeutschenNational-Discographie für den Bereich Gesang (Oper, Operette, Lied, bisher drei Bände) und Judaica auf Schellackschallplatten und Phonographenwalzen im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Publikationen und Vorträge im In- und Ausland sowie in mehreren Rundfunksendungen (WDR, HR sowie Deutschlandfunk) runden seine Tätigkeit ab.

Christian Zell wurde 1996 in Kiel geboren. Er hat im Theater die Komödianten (Kiel) als Licht- und Tontechniker, Hospitant, Regieassistent und letztlich in einer Produktion von „Burning Love“ auch als Schauspieler gearbeitet. Von 2018 bis 2021 absolvierte er seine Schauspielausbildung an der Arturo Schauspielschule in Köln. Von 2019 bis 2021 war er der Co-Direktor des Arturo Theaters. Seit 2020 ist er Ensemblemitglied der Shakespeare Company Cologne. Unter anderem ist er aktuell in „Der Zauberlehrling“ und „Oh, wie schön ist Panama“ am Horizont Theater zu sehen, in "Macbeth" und "Acting" auf verschiedenen Bühnen, außerdem in "Die Bremer Stadtmusikanten" im Comedia Theater.