Wie steht's Mata Hari?

eine Dramödie von Tony Dunham
Mit: Jennifer Tilesi Silke, Mike McAlpine
Regie & Übersetzung: Anne Simmering

Foto: anonym / Ina Jabss

Sie ist sexy, sie ist clever, sie ist selbstbewußt, sie ist verletzlich, grausam, süchtig, eine Spielerin, eine Hure, eine Mutter, ein verführerisches Dummchen und eine gnadenlose Verführerin. Mata Hari, selbsternannte Schauspielerin, Kurtisane, Tänzerin und Doppelagentin, Mata Hari, in deren Fängen sich so viele verfangen, endet letztlich selbst gefangen in zum Teil selbst geknüpften Fallstricken im Schleppnetz der Geschichte. Tony Dunham schafft es, ein doppelbödiges Comedy - Biopic zu kreieren, mit nur zwei Schauspielern, von denen der eine alle Figuren spielt, die ihre Biographie prägen, begleiten und begründen. Mit Mike McAlpine als wandlungsfähigem und charmantem Sparringpartner kann Mata Hari, gespielt von Jennifer Silke, sich schauspielerisch und tänzerisch mit viel Sexappeal in die eigene Geschichte fallen lassen, ausufern, tanzen, verführen, verletzen, amüsieren und erstaunen.

Presse

von Rolf-Rüdiger Hamacher

Geheimnisumwobene Frau
Neues Stück von Tony Dunham:
„Wie steht's Mata Hari?“ im Horizont–Theater

Vor der Premiere von Tony Dunhams „Wie steht's Mata Hari?“ im Horizont-Theater sang das Publikum für den Autor „Happy Birthday“. Am Ende gab's ein vom Ensemble einen Kuchen, der slapstickartig auf dem Boden landete. Passend zu dem Stück, das im Vorfeld einige Klippen umschiffen musste: Dunham wollte wollte Regie führen und die Hauptrolle spielen – und erkrankte. Mike McAlpine übernahm auf der Bühne, Anne Simmering den Platz auf dem Regie-Stuhl. Und die Schauspielerin war dieser Rolle gewachsen, führte ihre Darsteller mit straffer Hand durch eine ungewöhnliche Biographie. Keine leichte Aufgabe. Denn während Jennifer Tilesi Silke „nur“ die niederländische Tänzerin Margaretha Geertruida Zelle spielen musste, die zur bekanntesten Doppel-Agentin des Ersten Weltkrieges aufstieg und im Juli 1917 hingerichtet wurde, schlüpfte Mike McAlpine in alle anderen Rollen.

Mal schmieriger Chef, mal junger Liebhaber

Mal war er ihr schmieriger Chef, der die 16-Jährige missbrauchte, mal ein in Java stationierter despotischer Colonel, den sie heiratete. Dann wieder eine Spion-Ausbilderin mit schwäbischen Akzent oder Mata Haris junger russischer Liebhaber. Dazwischen fegt er wie ein tuntiger Monsun über die Bühne. Doch Slapstick und Comedy setzte er auch beklemmende, dramatische Momente entgegen. Jennifer Tilesi Silke hauchte „I wanna be loved by you“ zu Beginn in den noch dunklen Zuschauerraum. Damit hatte sie das Publikum verführt und ließ nicht mehr aus ihren erotischen Fängen, machte es zum Komplizen einer immer noch von Geheimnissen umwobenen Frau.

Kölner Rundschau 13. April 2016