Wie Kraut und Rüben...

ein krimineller Schwank von Thomas Bleidiek
Mit: Volker Hein, Astrid Rempel, Martin-Maria Vogel, Christine Wolff
Regie: Thomas Bleidiek

Foto: Horizont

Bei Henner Voss und seiner Frau Irene, platzt ein Brief der Krankenkasse in die (nicht vorhandende) Idylle: Man kondoliert der armen Witwe zum Tod ihres Mannes. Sicher nur ein Versehen - ein Computerfehler, den man durch ein, zwei Anrufe richtigstellen und korrigieren kann. Doch: Moment mal! Wieso eigentlich? Immerhin hat der ehemalige Bauer noch eine Risikolebensversicherung, die im Falle seines Todes an seine Witwe ausbezahlt wird. Ein hübsches Sümmchen, das alle finanziellen Probleme lösen würde.

Also beschließt man das Schreiben ernst zu nehmen und setzt alles daran den Tod des armen Mannes zu zelebrieren.

Doch die Schwierigkeiten beginnen erst: Wohin mit dem quicklebendigem Henner? Ganz klar – er muss in die Rolle seiner eigenen, nicht existierenden, Schwester Helma schlüpfen. Nach einigen katastrophalen Fehlversuchen glaubt man schließlich das richtige Outfit und den richtigen Tonfall gefunden zu haben.

Doch die Schwierigkeiten und Verwicklungen beginnen erst...

Kritiken

„Charleys Tante“ lässt grüßen
Thomas Bleidieks deftiger Klamauk „Wie Kraut und Rüben“
Von Barbro Schuchardt


Der Hof von Henner und Irene Voss ist hoch verschuldet. Da kommt die (irrtümliche) Mitteilung der Krankenkasse, Henner sei als verstorben gemeldet, gerade recht. Bleiben wir doch einfach dabei und lassen Henner verschwinden, sagt sich das Ehepaar, das auf diese Weise eine Lebensversicherung kassieren will.
Doch der Bauer erlebt eine Wiedergeburt als seine eigene Tante Helma, die vor 40 Jahren nach Kanada ausgewandert war. Und jetzt plötzlich im roten Rüschenkleid über behaarten Männerbeinen für jede Menge Missverständnisse sorgt.
Wer dabei an alte Millowitsch-Schwänke oder „Charleys Tante“ denkt, liegt nicht falsch. Denn was Thomas Bleidiek für seine Klamotte „Wie Kraut und Rüben“ zusammengestrickt hat, setzt auf puren Klamauk. Alle Akteure dürfen in dieser hanebüchenen Geschichte auf Teufel komm raus chargieren.
Astrid Rempel ist die bauernschlaue Irene, die mit norddeutschem Zungenschlag die tollsten Lügengeschichten erfindet. Die drei anderen Schauspieler schlüpfen gleich in mehrere Rollen. Volker Hein mimt nicht nur urkomisch den tatterigen Opa Voss, sondern auch noch den salbungsvollen Bestatter und einen unterbelichteten Kripomann. Chrisrine Wolff, die wie Volker Hein einst das Horizont- Theater geleitet hat, zeigt Facetten als Irenes überkandidelte Freundin Marga und als strenge Bankerin, die den Hof konfiszieren will. Und Martin-Maria Vogel sorgt als Bauer Henner und vor allem als Travestie-Tante Helma für Lacher. Die richtige Einstimmung auf den 11. 11.



Irene Voss, Marga Endlich und Henner Voss als Tante Helma (v.l.) im Hinterhof des Bauernhauses. Bühne

„Henner, du bist tot!“: „Wie Kraut und Rüben“ am Horizont Theater

Köln | Ein Brief der Krankenkasse erklärt den Bauer Henner plötzlich für tot. Statt den Fehler richtigzustellen, wittert die Familie das große Los: Die Lebensversicherung könnte alle finanziellen Probleme lösen… Die Uraufführung des kriminellen Schwanks kommt beim Premierenpublikum sehr gut an.

Es braucht keine lange Exposition, bis klar ist, worum es geht: „Henner, du bist tot!“, erklärt ihm seine Frau, die sympathisch-spitzzüngige Irene (Astrid Rempel) unmissverständlich. Henner Voss (Martin-Maria Vogel) will den Irrtum zwar eigentlich aufdecken, doch so lässt er sich überzeugen und sieht die versehentliche Todesbenachrichtigung der Krankenkasse als Chance. Die Risikolebensversicherung würde immerhin 150.000 Euro einbringen.
Weil Henner jedoch nicht wie das Phantom der Oper für immer auf dem Dachboden leben möchte, kommt seine Frau und sein kauziger Vater (Volker Hein) auf eine Idee. Er soll einfach als seine eigene Tante weiterleben, die vor 40 Jahren nach Kanada ausgewandert ist, und von der seitdem niemand mehr etwas gehört hat.
Der kauzige Vater lässt keine Spitze gegen Sohn und Schwiegertochter aus Dass Henner sich dann in einen roten, viel zu tief ausgeschnittenen Fummel steckt und seine ersten Gehversuche in Pumps macht, kann nur einen Teil des Publikums überzeugen. Alle anderen haben sich an Travestie-Darbietungen, die sich aller Klischees bedienen, wohl sattgesehen. Seine Komik erhält die Uraufführung, inszeniert durch den Autor Thomas Bleidiek selbst, vielmehr durch die scharfen Dialoge. Dabei überzeugt insbesondere „Vatter Hein“, wie ihn alle nennen, der sich für keine Spitze gegen seinen Sohn und seine Schwiegertochter zu schade ist. Doch auch der Kontrast zwischen Irene und ihrer besten Freundin, der Unternehmersgattin Marga Endlich (Christine Wolff), die pausenlos gegeneinander sticheln und doch füreinander da sind, wird von den Schauspielerinnen hervorragend ausgetragen. Christine Wolff übernimmt auch die Rolle der übereifrigen Immobilienverwalterin Dr. Rizabeck-Schnabel, „die nichts auf die lange Bank schiebt“ und durch ihr hochnäsiges Auftreten einen Gegenpart zum bäuerlichen Miteinander darstellt. „Endlich mal wieder unbekümmert lachen können.“
Julian Rohde zeichnet für die Bühne verantwortlich und beweist, dass mit wenigen Mitteln viel erreicht werden kann: Ein paar schwarze Holzlatten verwandeln die weiße Wand in ein Fachwerkhaus, dazu eine geschnitzte Bank und ein Fenster mit Spitzenvorhang. Herbstliches Laub komplettiert das Bühnenbild.
Bedauerlicherweise werden die in der Inszenierung angedeuteten Konflikte nicht weiter verfolgt und finden stattdessen eine wenig überzeugende Lösung. So endet Henners Verwandlung in die Tante über Nacht, Margas Streit mit ihrem Ehemann ist auch plötzlich vergessen. Dennoch ist es eine kurzweilige Inszenierung im Horizont Theater, wenn auch mit leichten Schwächen. Das Ensemble erntet vom Premierenpublikum langen, verdienten Applaus. Eine Zuschauerin fasst es so zusammen: „Endlich mal wieder unbekümmert lachen können.“
Fabian Schäfer - Report K