Fräulein Wunder

eine vergnügliche Zeitreise mit Soloshow-Talent Anne Scherliess in einer Inszenierung von Maren Pfeiffer

Foto: Jürgen Klack

Anne Scherliess spielt im schwarz-getupften roten Neckholder-Petticoat-Kleid das reizende Fräulein Wunder, das im Café auf einen besseren Herrn wartet. In die Zeit, als Mister Pumpernickel Chris Howland mit Liedern wie „Fräulein“ berühmt wurde, führt die Revue Fräulein Wunder im Horizont Theater. Maren Pfeiffer hat sich umgeschaut im Wunderland der 1950er Jahre zwischen Wirtschaftswunder und Wunder von Bern. Wir Wunderkinder kaufen uns einen bunten Luftballon, der dient nämlich dieses Mal als Eintrittskarte für den unverschämt heiteren Rückblick ins Paradies der Käse-Igel und Mayonnaise-Fliegenpilze.



Kritiken

Report-K F.Schäfer

Anne Scherliess entführt als Fräulein Wunder ins Nachkriegsdeutschland. Bühne

Back to the Fifties: „Fräulein Wunder“ im Horizont-Theater

Köln | Von Wirtschaftswunder bis Wunder von Bern: Die Ein-Personen-Revue „Fräulein Wunder“ im Horizont-Theater entführt sehr kurzweilig und unterhaltsam ins Nachkriegsdeutschland, seine Musik, Literatur, Werbung – aber auch Sorgen und Nöte. Sie strahlt. Wie sollte sie auch anders, wartet sie doch in einem Café auf ihr Blind Date, das damals sicher noch nicht so genannt wurde. Fräulein Wunder (Anne Scherliess) im schwarz-getupften roten Kleid, genauso rotem Haarband und Lippenstift wartet. Doch da ihr Mister Pumpernickel nicht kommt, beginnt sie ihre Revue.

Der charmanten Anne Scherliess nimmt man das Fräulein Wunder ab

Es ist ein Rückblick in eine Zeit des Aufbruchs und der Möglichkeiten, aber auch der gesellschaftlichen Zwänge. Das Handbuch für die gute Ehefrau, aus dem zitiert wird, gestattete Frauen nur zwei wichtige Fragen: „Was ziehe ich an?“ sowie „Was koche ich?“. Für Männer gab es strenge Anweisungen, wann und wie sie den Hut zum Gruß zu zücken haben. Getragen wird die Revue vom der charmanten und schüchtern-koketten Anne Scherliess, der man das Fräulein Wunder auf ganzer Ebene abnimmt, wie sie mit ihrem knallroten Herzluftballon – das Erkennungszeichen! – auf ihre Verabredung wartet. Ihren gelben Schal verwandelt sie je nach Situation eine Schärpe oder eine Schürze. Sie nutzt das gesamte Foyer des Horizont-Theaters und blickt auf die Litfaßsäule, auf der Bilder von Hildegard Knef, James Dean oder Mutter Teresa hängen. Manchen Zuschauern ist anzumerken, dass „Fräulein Wunder“ ganz viele Erinnerungen weckt. Doch egal, ob mit der Zeit vertraut, nur aus Geschichten bekannt oder ganz weit weg: Die kurzweilige Revue überzeugt allen Altersgruppen des Premierenpublikums.

Horizont Theater
„Fräulein Wunder“

Eine vergnügliche Zeitreise. Fassung und Regie: Maren Pfeiffer.

Fräulein Wunder (Anne Scherliess) sitzt im Café und wartet auf ihre Verabredung, einen „besseren Herrn“. Schon diese Formulierung katapultiert die Zuschauer mitten in die Fünfzigerjahre. Das vorherrschende Frauenbild: Küche, Kuchen, Kirche. Und für alle, die das traurig machte, stand Hochprozentiges mit dem euphemistischen Namen „Frauengold“ in Hülle und Fülle zur Verfügung. Maren Pfeiffer, die für die Zeitreise als Autorin und Regisseurin verantwortlich zeichnet, hält kritisch und humorvoll Rückschau. Eine sicher agierende Anne Scherliess beginnt den Abend mit der Anmoderation des Zusammenbruch-Songs von Kabarettist Wolfgang Neuss über die vom Krieg verwundeten Seelen der Deutschen, die sich nun fest vorgenommen haben: „Stimmung! Es lebe die Nachkriegszeit“. Also hinein in die Bonbon-Farben, die Songs von Mister Pumpernickel Chris Howland, in Parties mit Käse-Igel und Mayonnaise-Fliegenpilz. Anne Scherliess und Maren Pfeiffer führen uns herum. Und vergessen dabei nicht, die Enfant Terribles der Fifties zu würdigen: Heinrich Böll, Beate Uhse und die Frauenrechtlerin Elisabeth Selbert, die es geschafft hat, 1948 im Grundgesetz zu verankern, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte besitzen. Ein toller Theaterabend. ah